Nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 wurde von den Alliierten der Luftsport in Deutschland generell untersagt. Nach langen Verhandlungen wurde 1950 das allgemeine Flugverbot aufgehoben und in Gersfeld der Deutsche Aero-Club gegründet.

Auch in Hünfeld wurde auf Initiative des Kreishandwerksmeisters Josef Vogt, des Obergerichtsvollziehers Herrmann Breithaupt, des Sparkassenleiters Guido Schäfer und des Berufsschullehrers Rudolf Göbel am 13. Juni 1951 im Hotel Engel eine Hünfelder Segelfluggruppe gegründet. Ohne Fluggerät und Fluggelände wurde auf den Hügeln des Bombergs östlich von Hünfeld zunächst Modellflugsport betrieben.

Ende 1951 schloss man sich aus organisatorischen Gründen dem Aero-Club Rhön als Untergruppe Flugsportgruppe Hünfeld an. Damit wurde das Segelfliegen auf der Wasserkuppe schrittweise wieder aufgenommen.

Das Fluggerät des Aero-Clubs konnte unter nicht unerheblicher Kostenbeteiligung von den Hünfelder Fliegern mit benutzt werden, so dass ein Anfang gemacht war und in begrenztem Umfang wieder richtig geflogen werden konnte.
Welche Flugbegeisterung unter den wenigen aktiven Mitgliedern des Hünfelder Vereins damals geherrscht hat, ist daran zu sehen, dass keine Mühen und Kosten gescheut wurden, um auf dem Berg der Flieger mit dabei zu sein. Wochenende für Wochenende wurden unbequeme und lange An- und Rückfahrten in Kauf genommen, um fliegen zu können.

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Taufe der „Rhönlerche“, 1955

Im Frühjahr 1955 konnte mit wesentlicher Unterstützung des Landkreises Hünfeld das erste eigene Segelflugzeug, eine „Rhönlerche“ von der Firma Schleicher erworben werden. Die Taufe dieses Doppelsitzers auf den Namen „Vorderrhön“ fand unter der Anteilnahme hunderter Bürger am 24. April 1955 vor dem Rathaus statt. Mit dem Kauf war ein erster Schritt zur Unabhängigkeit getan, von nun an konnte mit einem eigenen Flugzeug geflogen werden.

1961 wurde eine erste rechtlich relevante Satzung ausgearbeitet und die Eintragung in das Vereinsregister beantragt. Der Verein führt seitdem den Namen „Rhönflug Hünfeld“. 1962 wurde im Zusammenschluss mit der Segelfliegergruppe Kaliwerk Hattorf von der hessischen Forstverwaltung ein Grundstück auf dem Plätzer nördlich Burghaun gepachtet.          

Ermöglicht wurde diese Anmietung durch den Einsatz des damaligen Leiters des Forstamtes Burghaun, Hans Wollenweber, der ebenfalls ein begeisterter Flieger war. Das Gelände wurde planiert und als Fluggelände ausgebaut. Am 7. Mai 1962 erhielt der Rhönflug Hünfeld als Platzhalter vom Regierungspräsidium Kassel die offizielle Genehmigung zum Betrieb des Segelfluggeländes Plätzer.

Einweihung des Segelfluggelände Plätzer 1962

Einweihung des Segelfluggelände Plätzer 1962

In den folgenden Jahrzehnten wurde der Flugplatz ständig ausgebaut und erweitert. Neue Mitglieder traten in den Verein ein. Nach und nach wurde der Flugzeugpark vergrößert und modernisiert. Neue Hallen, eine Werkstatt, ein Luftaufsichtsturm und andere wichtige Anlagen wurden überwiegend in Eigenleistung errichtet. Bei all diesen Baumaßnahmen hat sich besonders unser Vereinsmitglied Eberhard Ebert große Verdienste erworben, der für Planung, Organisation und Bauleitung verantwortlich zeichnete.

In den 80er und 90er Jahren fand eine erhebliche Belebung der Segelflug- und Motorseglerausbildung, des allgemeinen Flugbetriebes und des Streckensegelfluges statt. Viele jüngere und ältere Flugschüler haben an einer gut und straff organisierten Ausbildung teilgenommen und erfolgreich ihre Prüfungen für die Pilotenlizenz abgelegt. Dank für ihren Einsatz gebührt den in dieser Zeit und auch heute noch ehrenamtlich tätigen Fluglehrern des Vereins.

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Flugplatzlager in den 80er Jahren

Große Flugtage in den 80er und 90er Jahren mit tausenden von Zuschauern haben die Bevölkerung begeistert und einen Einblick in den Leistungsstand der Flieger gegeben. An den jährlich zu Pfingsten auf dem Plätzer veranstaltete Tagen der offenen Tür nahmen viele Gäste neben der Teilnahme an Rundflügen die Gelegenheit wahr, die Anlagen und das Fluggerät des Vereins zu besichtigen.

Viele Mitglieder haben sich in den vergangenen 60 Jahren in der Vorstandsarbeit, als Fluglehrer, als Werkstattleiter und Flugzeugwarte, als Fallschirmpacker, beim Ausbau des Fluggeländes und beim Bau der Anlagen ausgezeichnet und verdient gemacht.

Seit vielen Jahrzehnten werden von Frühling bis zum Herbst bei entsprechender Witterung an jedem Wochenende am Plätzer Segelflugzeuge mit der Seilwinde oder einem Schleppflugzeug in die Lüfte gezogen, starten Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge, erfüllen sich immer wieder jüngere und ältere Menschen einen Traum – den Traum vom Fliegen.

Von Wolfhard Wetzchewald